Foto:Marion Schmieding / Berliner Flughäfen
Einrüstung beim neuen Berliner Flughafen
Seit Berlin Bundeshauptstadt ist und die beiden Stadteile wieder zusammen sind, die Infrastruktur wie z.B. die U- und S- Bahnen wieder ein zusammenhängendes Gefüge bilden, hat sich die Stadt so verwandelt, dass Personen, die Berlin nur noch aus der Zeit, in der die Mauer bestand kennen, die Stadt kaum wiedererkennen.
Der nun bald in Betrieb gehende neue Flughafen in Schönefeld wird diesen Prozess noch verstärken, denn, auch wenn sich alle Vorstellungen die Verkehrswege diesem Superflughafen anzupassen, nicht zeitgleich umsetzten lassen, so ist bereits erkennbar, dass hier eine weitere Veränderung im Stadtbild Berlin eintritt.
Der Flughafen Schönefeld mit dem Beinamen „Willy Brandt“ wird ein Terminal erhalten, das 220 Meter lang, 180 Meter breit und 32 Meter hoch sein wird.
Ein optisches Merkmal werden die gegliederten Fassaden und die klaren, geometrischen Formen sein, die das Gebäude aufweisen wird.
Eben die Baustrukturen, die das „alte Berlin“ geprägt haben.
Ganz nach dem Willen der Architekten, die sich auf Gestaltungselemente von Schinkel bis hin zum Bauhaus berufen.
Die Terminalhalle wird von einer filigranen Stahl-Glas-Konstruktion überspannt sein.
Betrachtet man das Gesamtgewicht der Stahlbauteile für das Terminaldach so liegt die Gewichtsangabe bei rund 10.000 Tonnen, wobei das schwerste Einzelteil allein wog 123 Tonnen wog.
Acht Monate dauerte die Montage dieses Terminaldaches.
Für die Arbeiten an der Dachkonstruktion – wie Beschichtungen, Anbringen der technischen Gebäude-Ausrüstung oder Einbau der Membrandecke – wurde die Wandlitzer B+P Gerüstbau GmbH („B+P“) beauftragt.
Der Boden des Terminals konnte nicht vollständig als Gerüst-Aufstellfläche eingesetzt werden, weswegen die Arbeitsplattform teilweise als Hängegerüst erstellt wurde.
Insgesamt erstellten die Gerüstbauer mit dem Allround-System von Layher rund 850.000 Kubikmeter Raumgerüst mit circa 50.000 Quadratmeter Grundfläche – freistehend, da eine Befestigung am Bauwerk nicht möglich war – sowie etwa 8.500 Quadratmeter Hängegerüst.
Der Aufbau der Gerüstkonstruktionen erfolgte in mehreren Teilabschnitten.
Logistisch unterstützt wurde „B+P“ dabei direkt vom Gerüsthersteller: 50 LKW lieferten das notwendige Gerüstmaterial aus dem schwäbischen Eibensbach just-in-time auf der Baustelle an.
Die Aufstellflächen für die Raumgerüste ergaben sich in unterschiedlichen Höhenlagen – mit Versprüngen von bis zu 15 Metern. Die Aufbauhöhen variierten an der bis zu 250 Meter langen Allround-Konstruktionen von vier bis 27 Meter.
Systembedingt ließen sich in die Allround Raumgerüstkonstruktion Treppentürme und Bauaufzüge, aber auch die Stützen des Terminals integrieren.
Um einen Durchgang für den Bauverkehr zu gewährleisten, konnte durch Fachwerksaussteifungen und Überbrückungen mit Systemgitterträgern Abstände von 5,15 Meter als Baustraßen freihalten gehalten werden.
Bei der Montage der Hängegerüste kamen den Gerüstbaumonteuren ( bis zu 100 Personen waren gleichzeitig aktiv), die eigens für die Baustelle konzipierten, synchron-gesteuerten Elektrokettenzüge zugute.
In Teilabschnitten von ungefähr 200 Quadratmetern wurde die Hängegerüstkonstruktion am Boden vormontiert, an die entsprechende Stelle befördert und mit den Anschlüssen der Stahlbinder verschweißt.
Als „Finish“ bekamen die letzten fünf Meter der Gerüstkonstruktion eine Einhausung mit einer schwer entflammbaren B1-Folie, damit die Arbeiten am Dach auch in den Wintermonaten durchzuführen waren.
Die Belagebene erhielt zudem eine Schutzabdeckung aus OSB-Platten. Dazu bildeten die Gerüstbauer die Belagebene mittels Allround-Stielen ohne Rohrverbinder eben und glatt aus, mit dem Vorteil, dass Fahrgerüste im Bedarfsfall ebenfalls einsetzbar waren. Dank dieser Schutzvorrichtungen konnte die Arbeitsfläche konstant zwischen acht und zehn Grad Celsius beheizt werden.
Die Flughafen-Eröffnung ist im Sommer 2012.
Zeitgleich geht damit aber auch die Geschichte der zergliederten Infrastruktur für den Luftverkehr – ein historisches Erbe des geteilten Berlins – zu Ende.
2008 wurde bereits der legendäre Flughafen Berlin Tempelhof im Westteil der Stadt geschlossen, einer der ersten Verkehrsflughäfen Deutschlands und wesentliches Anflugsziel bei der Luftbrücke.
1923 eröffnet, war er in den 30er Jahren noch vor Paris, Amsterdam und London der meistgenutzte europäische Airport.
Die Schließung des innerstädtischen und derzeit verkehrsreichsten Flughafens, Tegel, dessen Geschichte 1930 als Raketenschießplatz begann, soll mit der Eröffnung des neuen Flughafens erfolgen.
Dann wird der gesamte Flugverkehr der Region Berlin-Brandenburg über den Flughafen im früheren Ostteil der Stadt konzentriert sein.
Die Zeit wird zeigen ob die Konzentration sich auf einen einzigen Flughafen auszurichten als zutreffend erweist. Betracht man z.B. die Städte Paris, London und Mailand, so befinden sich dort mehrere Flughäfen, die international angeflogen werden.
Auf die Infrastruktur der Stadt wird sich diese Veränderung jedoch schon kurzfristig erheblich auswirken.



