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50 Jahre Ramm- und Ziehtechnik


Alles begann im Jahr 1958 mit der Gründung eines Ingenieurbüros durch Dr.Ing. Ludwig Müller, um die Vermarktung des MV-Pfahls (Müller-Verpresspfahls), eines von ihm entwi­ckelten und patentierten Verankerungselementes im Boden, voranzubringen. Dr. Müllers Sohn Günther suchte parallel dazu nach Alternativen zum schlagenden Einbringen der Pfähle. Hierbei stieß er auf die Vibrationstechnik. Er griff Ideen auf, die ursprünglich in den 30er Jahren in Russland entwickelt wurden. Günther Müller schloss sich mit der Firma Schenk aus Darmstadt zusammen, einem Spezialisten in der Schwingungstechnik, und konzipierte den nach Unternehmensangaben ersten elektrisch angetriebenen Vibrator MS-26 (M = Müller, S = Schenk). Zunächst erwies sich die Technik als nicht besonders erfolgreich, insbesondere ließen sich die MV-Pfähle beim damaligen Stand der Technik kaum einvibrieren. Die wenigen in Einsatz gebrachten Geräte wurden in Lizenz gefertigt. Ende der 60 Jahre wendete sich das Blatt: Durch die Verbesserung der elektrischen Antriebstechnik und mit der Einführung der hydraulischen Antriebstechnik 1967 beim Vibrator MS-12 belebte sich das Geschäft zusehends. 1970 holte man die Produktion ins eigene Haus zurück und entwickelte erste hydraulische Vibratoren mit einstellbarem statischem Moment. Diese sind noch heute mit Modifizierungen erfolgreich als HHF-Reihe im Einsatz. Zum Aufschwung trug auch wesentlich bei, dass man 1972 den Krupp Stahlhandel als Vertriebspartner gewinnen konnte, der für eine flächendeckende Vermarktung der Müller Ramm und Ziehtechnik in Deutschland sorgte. Mitte der 70er Jahren hat man mit der Entwicklung und dem Bau der Baggeranbau-Vibratoren begonnen. 1989 wurde der nach eigenen Angaben bis heute größte Einzelvibrator MS-200 HHF mit einem Leistungsbedarf von 1.100 kW hergestellt. Die 90er Jahre waren gekennzeichnet durch die Einführung der variablen Vibrationstechnik von MS-16 HFV bis MS-48 HFV. Parallel hierzu wurde eine neue Generation von Antriebsaggregaten mit speicherprogrammierbarer Steuerung entwickelt. Es folgte die Einführung variabler Baggeranbau-Vibratoren im Jahre 1998. Seit 2004 kam der größte variable Vibra­tor MS-62 HFV unter anderem beim Bau der Strelasundquerung zur Insel Rügen zum Einsatz.
Zusätzlich entwickelte Müller in all den Jahren rund um das Produkt Vibrationstechnik neue Anwendungsverfahren in Zusammenarbeit mit Kunden und wissenschaftlichen Ins­tituten. Hier sind unter anderem das patentierte DYSTAFIT-Verfahren zur Überprüfung der Belastungsfähigkeit von Bahntrassen zu nennen sowie das MRC-Verfahren zur Tiefenverdichtung. Auch heute beweist die ThyssenKrupp GfT Tiefbautechnik ihre Innovationsfähigkeit zum Beispiel mit dem auf der bauma 2007 in München vorgestellten Prototypen MS-100 HFV, ein variabler Rüttler mit neuartigem Konzept, der ganz andere Anwendungsmöglichkeiten für die Vibrationstechnik verspricht.
Das Familienunternehmen wurde 1994 vom Vertriebspartner Krupp als Krupp Tiefbautechnik übernommen. 2001 wurde mit der Übernahme der Herstellung Hydraulischer Krupp-Bohrhämmer die Produktpalette ergänzt. Seitdem sind damit alle Maschinenbauaktivitäten im Bereich des Spezialtiefbaus bei ThyssenKrupp in der ThyssenKrupp GfT Tiefbautechnik GmbH zusammengefasst und bieten eine gut sortierte und aufei­nander abgestimmte Produktpalette, sowohl für Standardlösungen als auch bei bedarfsorientierten Individuallösungen im Spezialtiefbau.


 


Ausgabe 4/5.2008