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Bild: Funke Kunststoffe

Rohre im „Stollenvortrieb“ verlegt

Im Ruhrgebiet und somit auch in Bochum, zählt der Begriff „Stollenvortrieb“ zu den Genen der Region, auch wenn hier die Schließung der letzten Zeche im Jahr 1973 erfolgte.

Hier wird er Begriff jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Kohleabbau verwendet, sondern zur Sanierung einer defekten Abwasserleitung.

Im Auftrag des Tiefbauamtes der Stadt Bochum erfolgte die Erneuerung eines Mischwasserkanals sowie zweier kurzer Stichkanäle im Schutze von drei bergmännisch hergestellten Stollen.
Mit der Durchführung dieser technisch anspruchsvollen Verlegevariante wurde das Bauunternehmen Weitz & Co. GmbH aus Leverkusen beauftragt, das sich unter anderem auf den Stollenbau spezialisiert hat.

Die Wittener Straße in Bochum ist eine der meistbefahrenen Straßen im Bochumer Stadtgebiet, denn die Straßenbahn führt hier direkt zum Hauptbahnhof und gleichzeitig ist ein hoher Fahrzeugverkehr zu den nahegelegenen Autobahnen A43 und A44 gegeben.

Somit könnte eine Sperrung oder Einschränkung dieser Straße als ein Worst-Case-Szenario bezeichnet werden.
Dies skizziert die Problematik des Tiefbauamtes:
Unter der Straße verläuft ein Mischwasserkanal aus Beton, der wegen eines benachbarten Gebäudeneubaus zum Schadensfall wurde.

„Es ist bei Betonierarbeiten im Untergeschoss leider unkontrolliert Beton in den Kanal gelaufen und der hat sich dort verfestigt“, erläutert Christian Paschen vom Tiefbauamt Bochum die Situation.

Daher suchten die Planer des Tiefbauamtes nach Varianten für die Erneuerung.
„Wir konnten wegen des ausgehärteten Betons keine Befahrung des Kanals mehr durchführen und auch die Anschlussleitungen in ihrer Lage nicht mehr einmessen. Ein grabenloses Erneuerungsverfahren wie beispielweise das Überbohren der alten Leitung ist also nicht möglich gewesen“, so Paschen weiter.

Eine Erneuerung in offener Bauweise stand schon im Vorfeld nicht zur Debatte, da die Straßenbahnschienen nicht wie der Autoverkehr einfach um eine Baugrube herumgeleitet werden können.
Daher entfiel die Entscheidung einen bergmännischen Stollenvortrieb durchzuführen.

Bei diesem Verfahren wird im Schutze einer vorübergehenden Sicherung aus Stahlbögen und einem Verzug aus Holz oder Stahl der zu erneuernde Kanal zunächst freigelegt, abgebaut und durch einen neuen ersetzt.
Der Ringraum um die neue Leitung wird dann abschließend mit einem Dämmermaterial verfüllt.

In Bochum stellte der Baugrund eine besondere Herausforderung, denn dieser bestand aus einer festen Mergelschicht (Fels) und teilweise Bauschutt.
„Insgesamt hatten wir hier einen sehr anspruchsvollen Boden für den Stollenvortrieb“, so B. Eng. Dirk Müller, Bauleiter von Weitz.

Für den zu erneuernden Kanal wurde von einer Startbaugrube aus der Stollen Stück für Stück in Richtung des Zielschachtes vorangetrieben.
Der Bodenabbau erfolgte dabei von Hand, teilweise unter Zuhilfenahme eines Presslufthammers.
„Während der gesamten Maßnahme mussten wir ein besonderes Augenmerk auf die Straßenbahnschienen legen“, erläutert Müller.
Dreimal in der Woche wurden diese in ihrer Lage vermessen und zwar bis zu fünf Meter vor und hinter der Baustelle.

„Es konnten bei den Messungen keine Absackungen festgestellt werden, das heißt unser Stollenvortrieb hatte keinerlei negative Auswirkung auf den Straßenbahnverkehr“, so Müller zufrieden.

Im Zuge des Stollenbaus wurde zunächst eine provisorische Leitung zur Aufrechterhaltung der Abwasservorflut im Stollen verlegt und der alte Kanal sukzessive abgebaut.
Im nächsten Schritt wurde die neue Leitung aus HS®-Kanalrohren DN/OD 400 vom Zielschacht aus in Richtung Startbaugrube verlegt und mit einer Holzrahmenkonstruktion gesichert.

Für die Verlegung im Stollen seien die HS®-Kanalrohre die ideale Wahl gewesen, führt Müller weiter aus: „Die Rohre haben ein vergleichsweise geringes Gewicht und lassen sich sehr einfach verlegen.“

Neben dem großen Stollen mit Stahlverzug wurden rechts und links davon noch zwei kurze Stichkanäle DN/OD 315 ebenfalls im bergmännischen Stollenvortrieb erneuert.

„Unsere HS®-Kanalrohre sind wandverstärkte Vollwandrohre aus PVC-U. Sie verfügen in der Nennweite DN/OD 400 über eine angeformte Muffe mit einer fest eingelegten FE®-Dichtung“, erläutert Ralf Börmann, Fachberater bei Funke Kunststoffe, den Aufbau der Rohre aus Hamm.

Die gesamte Baumaßnahme, die in einer Tiefe von rund vier Metern durchgeführt wurde, konnte zur Zufriedenheit des Tiefbauamtes Bochum Ende Juni 2019 abgeschlossen werden.

Dezember 2019