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Güteschutz Kanalbau

Bild: Güteschutz Kanalbau

Verbesserung des Kanalnetzes

Die Meldungen über Schadensfälle aufgrund von Überflutungen erreichten die Stadt Nürnberg in den letzten 20 bis 30 Jahren immer regelmäßiger.
Das betroffene Gebiet im Süden der fränkischen Metropole ist seit 1908 nach und nach erschlossen worden.
„Das Kanalnetz konnte da einfach nicht mitwachsen“, erläutert Dipl.-Ing. (FH) Tanja Stöhr, Sachgebietsleiterin Kanalbau von der Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg (SUN) die Ausgangslage.

Um die in DIN EN 752 geforderten Ziele von Entwässerungssystemen zu erreichen, realisiert die Stadt Nürnberg eines ihrer größten Abwasserprojekte der letzten Jahre – das Projekt „Gebietssanierung Siedlungen-Süd“, welches sich über insgesamt vier Stadtteile erstreckt und das bestehende Kanalnetz hydraulisch entsprechend den Zielvorgaben verbessern soll.

Weil die Gesamtmaßnahme voraussichtlich erst im Jahr 2031 fertig gestellt werden kann, fiel die Entscheidung hydraulisch besonders kritische Punkte mit Hilfe eines Stauraumkanals schnellstmöglich zu „entschärfen“.

Für die Errichtung kam aufgrund der vorliegenden Randbedingungen und insbesondere wegen der enormen Tiefenlage von gut 12 Metern nur der Rohrvortrieb in Frage.

Unter der Federführung der SUN wird diese Baumaßnahme, die im Gesamtplan den Bauabschnitt 5 darstellt, von Brochier Infra-Vortriebstechnik GmbH als Hauptauftragnehmer für die Rohrvortriebsarbeiten und dem Nachunternehmer Scharnagl Hoch- und Tiefbau GmbH für die Verbau-, Erd- und Stahlbetonarbeiten durchgeführt.
Für die Vergabe der Vortriebsarbeiten wurde seitens des SUN von den Bietern ein Qualifikationsnachweis gefordert, welcher gemäß Güte- und Prüfbestimmungen RAL-GZ 961 von beiden Firmen erbracht wurde.

Die Baumaßnahme des Stauraumkanals aus Stahlbetonrohren, die aus einem Abschnitt DN 2400 und einem Abschnitt DN 1400 besteht und über ein Stauraumvolumen von insgesamt 4.300 m3 verfügt, wurde Mitte 2017 begonnen; soll Ende 2019 abgeschlossen sein um dann in Betrieb zu gehen.

Der Stauraumkanal wird bis zur Fertigstellung der Gesamtbaumaßnahme nur im Fall eines Regenwetterereignisses als Puffer genutzt.
Das somit zwischengespeicherte, stark verdünnte Schmutzwasser wird dann über zwei Pumpwerke nach und nach in das bestehende Kanalnetz gepumpt, sobald dieses nach dem Regenereignis wieder Abwasser aufnehmen kann.

Gebaut wird der Stauraumkanal in drei Vortrieben:
Zwei davon verfügen über den Durchmesser DN 2400 der Dritte hat einen Durchmesser von DN 1400.
„Das liegt daran, dass in diesem Abschnitt die notwendige Überdeckung für einen Vortrieb DN 2400 zu gering gewesen wäre“, erklärt Dipl.-Ing. (FH) Miriam Liß, Projektleiterin für den Bauabschnitt 5 beim SUN.

Der Vortrieb DN 2400 wird von einer Startbaugrube aus in zwei Richtungen vorgenommen, wobei die erste Vortriebstrecke mit einer Länge von rund 300 m bereits fertiggestellt ist.

„Derzeit haben wir das Widerlager in der Startbaugrube umgebaut, sodass wir den zweiten Vortriebsabschnitt mit einer Länge von rund 600 m starten können“, erklärt Dipl.- Ing. Piotr Scharlata, Bauleiter von Brochier Infra-Vortriebstechnik.

Dipl.- Ing. (FH) Markus Brüderer, Bauleiter von Scharnagl Hoch- und Tiefbau GmbH ergänzt:
„Hierfür mussten wir die Startbaugrube zunächst um knapp 2 Meter tiefer ausheben, da der zweite Vortriebsabschnitt tiefer liegt als der erste. Etwas aufwendiger war da die Gestaltung und Ausbildung des Widerlagers.“

Immerhin durfte der bereits verlegte Rohrstrang nicht durch die Einleitung der Pressenkräfte in den Baugrund beschädigt werden.

„Bei der Wahl der Vortriebmaschine kann man im Prinzip zwischen einem geschlossenen und einem offenen Schild wählen“, so Liß.
Bei dieser Baumaßnahme entschied sich das Team des SUN für einen offenen Schild, dessen Abbaukammer aufgrund des anstehenden Grundwassers mit Druckluft zwischen 0,3 und 0,4 bar beaufschlagt wird.
„Bei einem geschlossenen Schild kann es immer mal wieder passieren, dass es ein Problem im Baugrund gibt, der eine Bergegrube notwendig machen würde. Und das wäre bei der Umleitung für den Schwerlastverkehr, die um die Baustelle führt, nicht möglich gewesen“, so Liß weiter zur Entscheidung für einen offenen Schild mit einer rotierenden Schräme.
Ein weiterer Vorteil liegt ferner darin, dass der Austausch der Abbauwerkzeuge einfacher erfolgen kann.

„In Nürnberg geht man bei der Planung und Durchführung von Projekten einen ganz besonderen Weg“, stellt Dipl.-Ing. Dieter Walter, Prüfingenieur beim Güteschutz Kanalbau, fest.
„Da wird das jeweilige Projekt entsprechend den HOAI Leistungsphasen von der Grundlagenermittlung bis zur Objektbetreuung von qualifizierten Teams intern bearbeitet. Dazu gehört immer neben einer Projektleitung ein Planer, ein Zeichner und ein Bauüberwacher.“

Er bedauert jedoch, dass der Rohrvortrieb derzeit viel zu wenig Anwendung findet:
„Es gibt derzeit acht Vortriebsfirmen mit dem Gütezeichen VOD in Deutschland, die einen Vortrieb unter Druckluftstützung durchführen. Bei diesen Firmen wird kontinuierlich geprüft, ob neben dem qualifizierten Personal auch ausreichende Referenzen zum Erhalt des Gütezeichens VOD vorliegen.“

Eine weitere Ursache ist, so die weitere Ausführung, dass die Ingenieurbüros über spezialisiertes Wissen verfügen müssen, um die komplexe Ausschreibung für den sogenannten „Grabenlos bemannten Einbau von Abwasserleitungen und -kanälen mit offenen steuerbaren Schilden unter Druckluft“ erstellen zu können.

Dabei sei dieses Verfahren vielfältig einsetzbar und biete viele Vorteile.
Einer sei, dass die Anwohner kaum etwas von der Baumaßnahme mitbekommen, was . Miriam Liß nur unterstreichen kann:
„Bei uns haben bereits Anwohner angerufen und gefragt, wann wir denn endlich mit dem Bau beginnen. Und dabei war der erste Rohrstrang von 300 m schon fertiggestellt.“

August 2018