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Heidelberger

Bild: HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs

Museumsbau wird auf Betonbohrpfählen stehen

Der Innenstadtbereich in Köln ist eine historische Fundgrube.
So gilt der Rathausplatz als einer der bedeutendsten archäologischen Fundstätten Deutschlands.

Hier, inmitten der Altstadt entsteht das MiQua, das Jüdische Museum im Quartier.

Denn Grabungen in der Nachkriegszeit des zweiten Weltkrieges belegen, dass nicht nur die bekannte römische Vergangenheit ihre Spuren hinterlassen hat, sondern förderten auch zu Tage, dass auch jüdische Mauerreste vorhanden sind.

Die Stadt entschied sich, im Zusammenhang mit einem Haus auch diesen historischen Aspekt zu verdeutlichen, wodurch die Weichen für einen ungewöhnlichen zeitgenössischen Museumsbau gestellt wurden.

So beruht die Konzeption des Museums auf eine direkte Präsentation sowie einer didaktischen Vermittlung der Exponate am unmittelbaren Fundort.

Eine weitgespannte Konstruktion wird somit die freigelegten Bodendenkmäler schützen – entsprechend einer Verwendung von Zelten an Ausgrabungsstätten.

So kann der vielschichtigen Vergangenheit Raum gegeben werden.

Die Fassade dieses Museumsbaus wird weitgehend geschlossen sein, wobei jedoch gezielte Ein- und Ausblicke vorgesehen sind.

Wandel Lorch Architekten aus Saarbrücken hatten schon mit ihrem Wettbewerbsentwurf verdeutlicht, dass sie nicht nur einen markanten architektonischen und städtebaulichen Akzent setzen, sondern mit weiten Bodenöffnungen im Inneren Einblicke bieten und Verständnis für eine vergangene Welt wecken wollten.

Wie immer an historischen Orten, war auch hier von den Bauausführenden besondere Aufmerksamkeit gefordert.

„Wir hatten hier permanent Archäologen vor Ort, kein Gramm Erde, das nicht untersucht wurde“, erinnert sich Bauleiter Olaf Sahm von Berger Grundbautechnik an die Gründungsarbeiten des MiQua.

Sein auf Spezialtiefbau ausgerichtetes Unternehmen war für die Baugrubenumschließung zur Sicherung der Archäologischen Zone vor dem Historischen Rathaus zuständig.
Zunächst stabilisierten die geschulten Mitarbeiter mittels Niederdruckinjektion den schwierigen Baugrund.
Anschließend setzten sie 339 Pfähle um die Baugrube herum, um die Randbereiche vertikal abzugrenzen und eine große Stützwand zu schaffen, welche die Auflagerpunkte für den Museumsbau bietet sowie den archäologischen Rundgang begrenzt.

Dies erfolgte mittels einer überschnittenen Bohrpfahlwand, deren einzelne Pfähle je nach Untergrund in Tiefen zwischen 12 und 33 Meter reichen.
„Wir bohrten über ein Dreivierteljahr lang teilweise bis zu dreißig Meter tief durch historische Gründungen, durch alte Hafenmauern aus Basalt, deren Gestein die Römer aus dem Gebirge jenseits des Rheins gebracht hatten“, erläutert der Bauleiter. „Erst darunter stießen wir auf Rheinkies.“

Die Bohrpfähle wurden von Berger Grundbautechnik versetzt und mit Betonschablonen angeordnet, sodass der nötige Überschnitt und die Lagegenauigkeit an jedem der Pfähle gewährleistet war.
Das Unternehmen nutzte Drehbohrer mit hydraulischem Antrieb und einem Durchmesser von 880 Millimetern.
Je nach Baufortschritt arbeiteten drei bis 15 Mann mit ein oder zwei großen Bohrgeräten mit bis zu 80 Tonnen Einsatzgewicht.

Für die Betonpfähle waren knapp 4.000 Kubikmeter Beton notwendig, der mit Hochofenzement aus dem westfälischen HeidelbergCement Werk in Ennigerloh hergestellt worden war.

Er wurde von den Tiefbauern im Kontraktorverfahren eingebaut.
„Dabei wird nach dem Ausbohren des Erdreichs im Schutz der Bohrrohre der Bewehrungskorb eingehängt und der fließfähige Beton (Konsistenz F5) – geschützt vor dem Wasser innerhalb der Bohrrohre – mittels Betonierrohr bis zur Unterkante Bohrung geführt. Beim Aufsteigen drückt es das Wasser vor sich her nach oben, sodass nach dem Entfernen der Bohrrohre in der Erdschalung ein sauber betonierter Pfahl entsteht“, erklärt Bauleiter Sahm.

Eine Pfahltiefe von 20 Metern erforderte jeweils rund 15 Kubikmeter Beton, der just in time von mehreren Fahrmischern angeliefert wurde. Auch 49 Einzelstützen, deren genaue Lage von den Architekten in Abstimmung mit den Archäologen vorgegeben und vom Statiker geprüft worden war, versenkte Berger Grundbautechnik auf diese Weise und goss die Stahlhüllen mit Beton aus.
Bei diesen Stützen, die später innerhalb der Ausstellungsfläche als Deckenstützen dienen, blieben die Rohre als eine Art verlorene Schalung im Boden.
Sie warten nach Fertigstellung des Projekts mit einer Bekleidung aus Stahl auf.
Beim Rundgang durch die Bodendenkmäler, wenn alle Mauerreste und Exponate im Boden wieder in Gänze frei liegen, bilden dann die neuzeitlichen Bohrpfähle in der Archäologischen Zone eine sichtbare, erdgeschalte Betonwand.

Auf diese Weise wird den Besuchern des MiQua die Besichtigung der Mikwe ermöglicht.
Der Schacht dieses rituellen jüdischen Tauchbads reicht bis zum Grundwasserspiegel in 17 Meter Tiefe.
Die hochliegenden Überreste der Synagoge werden unmittelbar in den künftigen Museumsbau einbezogen und von dort aus erschlossen:

„Man steigt in die Geschichte hinab“, beschreibt Architekt Wolfgang Lorch das zweiteilige Museumsprojekt. Denn an seinem Standort liegen vier bis fünf historische Zeitschichten übereinander, deren kulturell bedeutsame Überreste nun für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Dies wird aber noch etwas dauern, denn nach aktuellen Informationen wird die Eröffnung des Museums Mitte 2021 erfolgen.

Februar 2018