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Güteschutz Kanalbau

Foto: Güteschutz Kanalbau

Qualitätssicherung in der Praxis

Weiterhin führen die rund 30 Ingenieure rund 3.500 Baustellenbesuche pro Jahr bei ausführenden Unternehmen mit Gütezeichen durch.
Stand im dritten Teil der Reihe „Qualitätssicherung in der Praxis“ der richtige Einsatz von Rettungshubein- richtungen mit Absturzsicherungsgeräten(Qualitätssicherung durch Kontrolle), beschreibt der vierte Teil die Erfahrungen der Prüfingenieure bei der Herstellung der Leitungszone.

„Es kommt immer wieder mal vor, dass die Prüfingenieure bei ihren Baustellenbesuchen im Rahmen der Gütesicherung bei der Ausführung auf Abweichungen von gängigen Regelwerken oder Festlegungen in Verlegeanleitungen der Hersteller stoßen“, erklärt Dipl.-Ing. Sven Fandrich, Leitung Außendienst, Gütegemeinschaft Kanalbau.

Eine Ausführung nach den Vorgaben der Regelwerke impliziert ein qualitativ hochwertiges und damit langlebiges Bauwerk.
Allerdings, so die häufig festzustellende Realität entsprächen manche Verfahrensweisen und Abläufe auf der Baustelle nicht den Vorgaben – so auch bei der Herstellung der Leitungszone, welche die Bereiche der Bettung, der Seitenverfüllung und der Abdeckung des Ingenieurbauwerks Kanal umfasst.

„In den einschlägigen Regelwerken des Kanalbaus in offener Bauweise werden klare Anforderungen an die Ausführung der Leitungszone wie an die Qualität des zu verwendenden Materials gestellt“, so Fandrich weiter.
Das Arbeitsblatt DWA-A 139 fordert:
„Einbau und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen“ (2009) unter Punkt 7.1 „Leitungszone und Verbau/Allgemeines“:
„Die Qualität der Erdbaumaßnahmen im Bereich der Leitungszone beeinflusst wesentlich die Tragfähigkeit, das Setzungsverhalten, die Gebrauchsfähigkeit, die Betriebssicherheit und die Nutzungsdauer der Abwasserleitungen und -kanäle. Die Eignung der einzubauenden Baustoffe hinsichtlich der bodenmechanischen Parameter und insbesondere der Übereinstimmung mit der statischen Berechnung muss nachgewiesen werden.“

Baustellenbesuche belegen jedoch, dass bezüglich des verwendeten Materials diese Hinweise und Festlegungen durchaus vernachlässigt werden.
So lässt die DIN EN 1610:2015-12
„Einbau und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen“ unter Punkt 5.2.1 „Baustoffe für die Leitungszone / Allgemeines“ die Verwendung von anstehendem Boden ausdrücklich zu, wenn die in „5.2.2 „Anstehender Boden“ der Norm getroffenen Festlegungen eingehalten werden.
Dabei muss die Verwendung durch die „Ausführungsbestimmungen/Planung“ erlaubt sein und den „Verdichtungsanforderungen“ entsprechen.
„Ein häufig nicht berücksichtigter Punkt ist der Ausschluss von Materialien die das Rohr schädigen oder durch spätere Veränderung negative Auswirkungen auf die Rohrlagerungen bewirken können. …der Boden ist frei von allen Materialien, die das Rohr schädigen können (z. B. „Überkorn“, Baumwurzeln, Müll, organisches Material, Schnee und Eis) sowie sämtlichen Tonklumpen, die nicht größer als 75 mm sind “, so der Dipl. Ingenieur weiter.

Zudem werden auf Kanalbaustellen häufig zur Wiederverwendung der vorhandenen Aushubmaterialien Schaufelseparatoren eingesetzt.
Die Einhaltung der Anforderungen an die Wiedereinbaufähigkeit gelingt jedoch nicht immer. Daher sollte bei der Auswahl von Geräten immer die Festlegungen des Regelwerks berücksichtigt werden und diese vor Ort auch überprüft werden.
So sollten im Nennweitenbereich von > DN 200 bis ≤ DN 600 Baustoffe keine Bestandteile größer 40 mm enthalten, was beim Einsatz dieser Anbaugeräte nicht in jedem Fall sichergestellt werden kann.

Ferner stellten die Prüfingenieure immer wieder Abweichungen bei der Herstellung der Leitungszone fest.
So wird die „Abdeckung“ häufig aus Gründen der Materialersparnis in einer Art Haube über dem Rohr ausgebildet.
Diese Vorgehensweise ist regelkonform – etwa im Arbeitsblatt DWA-A 139 unter 7.1 festgelegten Vorgaben.
So definiert DIN EN 1610 die Leitungszone aus Bettung, Seitenverfüllung und Abdeckung, bei Leitungen im Graben in der Breite des Grabens.
Wird der Einbau des Materials für die Leitungszone nicht in voller Grabenbreite ausgeführt, ergeben sich dadurch erhebliche Probleme bei der Verdichtung des Materials in der Seitenverfüllung und der Abdeckung. So wären bei fortlaufender Verdichtung Schäden an der Rohrleitung nicht auszuschließen.

Findet der Prüfingenieur bei seinen Baustellenbesuchen nicht vorgabenkonforme Situationen vor, gilt folgende Vorgehensweise:
Alle auf der Baustelle festgestellten Abweichungen werden im Besuchsbericht in Schrift und Bild dokumentiert. Gravierendere Mängel werden dem Güteausschuss der Gütegemeinschaft zur Beratung vorgelegt.
Dieser empfiehlt dann dem Vorstand der Gütegemeinschaft ggf. entsprechende Ahndungsmaßnahmen, die entsprechend der Satzung auf ein abgestuftes System beruhen: „zusätzliche Auflagen“, „Verkürzung des Besuchsintervalls“, „Verwarnung“ oder ein „befristeter oder dauerhafter Entzug des Gütezeichens“.

Hierdurch wird nicht nur die Erfahrung und Zuverlässigkeit der Unternehmen konkret dokumentiert und bewertet; die Auftraggeber können hierdurch auch eine konsequente und wirtschaftliche Prüfung der Bietereignung durchführen, denn über die Auswahl eines fachlich geeigneten Anbieters werden erst die Voraussetzungen für eine fachgerechte Ausführung der Maßnahme geschaffen.

Ziel der Baustellenbesuche ist es daher auch, dass durch Anforderungen an die Qualifikation der Beteiligten, durch Eigenüberwachung und natürlich auch durch gemeinsame Auswertung etwaiger Fehler die Ausführungsqualität kontinuierlich verbessert werden können.

Februar 2021