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Dommel

Bild: Dommel GmbH

Kanal im TIP-Verfahren saniert

Der Möhnesee im Kreis Soest zählt heute zu den größten Talsperren Deutschlands.
Bei der Einweihung im Jahr 1913 jedoch war die Talsperre die größte Stauanlage Europas.
Eine aus Bruchstein errichtete Mauer mit einer Höhe von ca. 40 Metern erstreckt sich auf eine Länge von 650 Metern.

Am Fuße dieser Steinwand erfolgte eine Sanierung, da das Betonrohr DN600 aus den 1950er-Jahren altersbedingte Schäden aufwies, die dem Ruhrverband als Betreiber durch regelmäßige Kanaluntersuchungen frühzeitig auffielen.

Mit dem Befund erster Beschädigungen, wurde die Frequenz der Kamerabefahrungen erhöht.
Zu den Schäden an dem Rohr zählten Haarrisse im Rohrscheitel und Ablagerungen an den Muffenverbindungen.
Auch gab es einen Altschaden aus den 1990er-Jahren, der zwar mit einem Kurzliner repariert wurde, aber nach über 30 Jahren lösten sich nun die Lagen, wodurch es zu starken Infiltrationen durch Fremdwasser kam, was in der DIN EN 752 als „unerwünschter Abfluss in ein Entwässerungssystem“ definiert wird.
Dies führte zu einer ungewünschten Drainagewirkung in der Umgebung.

Hierzu zählte auch der Umstand, dass der angrenzende Ausgleichsweiher am Fuße der Staumauer künstlich ausgepegelt wird und das Wasser nicht unbemerkt im Untergrund verschwinden sollte.
Außerdem hätte der sich lösende Kurzliner zu einem Abflusshindernis werden können, was zu weiteren Schwierigkeiten hätte führen können, zumal da im Sanierungsabschnitt auch die Leitung eines Kraftwerkes in den Kanal einmündet.

Um die Dichtheit und Betriebssicherheit der Kanalleitung wiederherzustellen, entschied sich der Ruhrverband für das Tight-in-Pipe-Verfahren (TIP) und schrieb den Auftrag aus, den die Sanierungstechnik Dommel GmbH aus Hamm erhielt.
„Wir haben mit einer Kanalreinigung gestartet. Besonders daran war ein vorhandener Muschelbesatz, den wir im Vorfeld entfernen mussten“, erklärt Dommel-Oberbauleiter Carsten Borghoff.
Anschließend erfolgte eine erneute Kamerabefahrung.

Zudem ergaben sich einige Vorarbeiten mittels Fräsroboter.
Zu Beginn des TIP-Verfahrens wurde eine mehrgliederige Kaliberhülse eingebaut, welche Ablagerungen und Versätze aus dem Altrohr drückt und somit die neuen Rohre unbeschädigt eingeführt werden können.
Anschließend erfolgte der Einschub der Sanierungsrohre mittels einer hydraulischen Schubvorrichtung.

Bei der Sanierung am Fuße der Möhnetalsperre kamen Rohre aus Polypropylen mit einem Außendurchmesser DA 560 Millimeter zum Einsatz.
Die Baulänge der einzelnen Module betrug einen halben Meter, sodass sie aus den vorhandenen Schächten eingeschoben werden konnten.
„Diese Rohre bieten den Vorteil, dass sie über zuverlässige Muffenverbindungen mit zwei Keildichtungen verfügen. Dies garantiert eine dauerhafte Dichtheit. Zudem sind sie unempfindlich gegen Fremdwasser-Infiltration und mit einer Vortriebskraft von bis zu 80 Tonnen belastbar“, so Borghoff weiter.
Nachdem alle Elemente in das Altrohr eingeschoben wurden, folgte die Entnahme der Kaliberhülse im gegenüberliegenden Zielschacht.

Nach Fertigstellung und Abnahme besteht nun ein betriebssicheres Rohr-in-Rohr-System mit einer Lebensdauer von bis zu 50 Jahren.
Diese Langlebigkeit sei nur ein Vorteil des TIP-Verfahrens. Ein Weiterer wäre die minimalinvasive Bauweise. Die Rohre könnten aus den vorhandenen Schächten installiert werden, sodass keine begleitenden Tiefbauarbeiten notwendig seien, wodurch auch die Bauzeit verringere, wie das ausführende Unternehmen betont.

Diese Baumaßnahme erfolgte Anfang 2021.
Die Bauzeit inklusive der vor- und nachbereitenden Arbeiten wurde mit zwei Wochen angegeben und der Rohreinbau sei in zwei Tagen abgeschlossen worden.

Juli 2021